Tibet

Geographische Lage

Tibet, ein in Zentralasien gelegenes Hochland, wird gerne als "Dach der Welt" bezeichnet, da es mit einer Durchschnittshöhe von 4500 Metern die höchstgelegene Region der Welt darstellt. Umgeben von den gewaltigen Gebirgsmassen des Himalaya grenzt das autonome Gebiet Tibet, eine Verwaltungseinheit der Volksrepublik China, im Norden an die autonome Region Xinjiang Uygur und an die Provinz Qinghai, im Osten an die Provinzen Sichuan und Yunnan, im Süden an Indien, Bhutan, Myanmar, Nepal und im Westen wieder an Indien. Das autonome Gebiet Tibet umfasst mit 1,2 Millionen km² Fläche knapp die Hälfte des 2,5 Millionen km² großen Tibetischen Kulturraums - des aus geographischer Sicht gesamten tibetischen Hochlands.

Klima

Yamdrok-See

Yardrog Yutsho (Yamdrok-See) in 4441 m Höhe | Foto: B_cool
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Reichlich Sonnenschein und große Schwankungen der Tagestemperaturen prägen das Hochlandklima Tibets, wobei hinsichtlich der durchschnittlichen Temperaturen zwischen dem Norden und Süden des Landes zu unterscheiden ist. Während in den hohen Lagen des Norden die durchschnittliche Jahrestemperatur unter 0°C bleibt, liegt sie in den tieferen Lagen des Südosten bei ca. 8°C.

Die Geschichte Tibets

Nomadenzelt

Nomadenzelt während Wanderschaft im Sommer
Foto: Philipp Roelli (2005)
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Die wechselvolle Geschichte Tibets beginnt im 7. Jahrhundert mit der Gründung des tibetischen Großreiches, das bis zum 10. Jahrhundert eines der mächtigsten Reiche Asiens ist. Interne Machtkämpfe und ausländische Invasionen prägen von da an die Geschichte des Landes. Insbesondere die Beziehungen zur Mongolei haben großen Einfluss auf Tibet. Sowohl Tibet als auch China fallen im 13. Jahrhundert unter die Herrschaft des mongolischen Großreiches (Yuan-Dynastie). Im 17. Jahrhundert marschieren die Mongolen erneut ein. Sie übertragen 1642 dem 5. Dalai Lama die Regierungsgewalt über Tibet. So wird der Dalai Lama als politisches Oberhaupt etabliert. In den darauf folgenden Jahrhunderten kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Manschus, die in China die Qing-Dynastie einsetzen, und auch Nepal fällt wiederholt in Tibet ein. Trotz der langen Zeiten der Besetzung gelingt es Tibet immer wieder, zwischenzeitlich seine Autonomie zurück zu gewinnen.
Als der 13. Dalai Lama 1895 die Regierungsgeschäfte übernimmt, ist Tibet ein religiöser Staat mit feudalistischen Zügen. Die Macht ist aufgeteilt zwischen den Klöstern, dem Adel und dem Dalai Lama. Großbritannien, die Kolonialmacht in Indien, versucht seinen Einflußbereich auszuweiten und marschiert 1904 in Tibet ein. Der Dalai Lama flieht ins Exil in die Mongolei und kehrt erst 1909 zurück, nachdem die Truppen wieder abgezogen sind. Die tibetische Armee ist jedoch geschwächt, so dass die Truppen der in China herrschenden Manschus nach Tibet vordringen können. 1910 besetzen sie Lhasa. Der Dalai Lama flieht ins indische Exil. Die Besetzung ist jedoch von kurzer Dauer. In Folge der chinesischen Revolution und des Sturzes der Manchu-Dynastie ist die chinesische Armee geschwächt und kann 1912 von der tibetischen Armee zurückgedrängt werden. Der Dalai Lama kehrt zurück und erklärt 1913 die Unabhängigkeit Tibets. Er beginnt nun, den Staat zu modernisieren und nach außen hin zu isolieren.
Quelle: externer Link Tibet Initiative Deutschland e.V.

Tibet unter chinesischer Herrschaft

Lhasa im Jahr 1938

Lhasa im Jahr 1938
Foto: Deutsches Bundesarchiv, Ernst Krause
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Noch 1949, im Jahr der Machtübernahme der Kommunistischen Partei und dem Ausruf der VR China, dringen erste Truppen der chinesischen Volksbefreiungsarmee in Amdo, die nordöstliche Provinz Tibets, ein. 1950 greift ein Heer von 40.000 Soldaten die südöstliche Provinz Kham an und besetzt das Land gewaltsam. Dem 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso wird im Alter von 15 Jahren die Macht übertragen. Unter militärischem Druck unterzeichnet eine tibetische Delegation 1951 das 17-Punkte-Abkommen, in dem der Status Tibets als Teil Chinas mit politischer Autonomie und kultureller sowie religiöser Freiheit vereinbart wird. Doch ist der Vertrag völkerrechtlich ungültig und der autonome Status wird zudem von China missachtet: Die chinesische Armee marschiert noch im selben Jahr in Lhasa ein.
Die tibetische Bevölkerung leidet unter dem Terror und der Gewalt der chinesischen Besatzer. Es entsteht eine Widerstandbewegung in den östlichen Provinzen Tibets. Bei ihrer Zerschlagung sterben zahlreiche Tibeter, Klöster werden zerstört.
Nach Jahren der Unterdrückung kommt es in Tibet am 10. März 1959 zum Volksaufstand, der von der chinesischen Armee blutig niedergeschlagen wird. Dem Dalai Lama gelingt es, noch rechtzeitig ins indische Exil zu fliehen. Die chinesischen Besatzer gehen nun noch rücksichtsloser gegen die tibetische Bevölkerung vor. Sie wird immer häufiger Opfer von Übergriffen. 1965 verkündet Peking die „Autonome Region Tibet“ (TAR), eine Region, die nur etwa die Hälfte des Territoriums Tibets umfasst.
Die „Große Proletarische Kulturrevolution“ von 1966 bis 1976 bringt weitere Gewalt und Elend über Tibet. Es sterben 1,2 Mio. Menschen. Auch die verbliebenen Tempel und Klöster werden nun zerstört. Nach der Kulturrevolution sind nur noch 12 Klöster erhalten.
Die Lebensbedingungen in Tibet sind äußerst schlecht unter der chinesischen Herrschaft. Selbst grundlegende Menschenrechte werden nicht gewahrt. Es kommt immer wieder zu Aufständen, die gewaltsam beendet werden. Zwischen 1987 und 1989 sind die Unruhen besonders heftig und Peking verhängt den Kriegszustand über Lhasa. Der Dalai Lama bemüht sich um eine Annäherung und schlägt den „Mittleren Weg“ ein, d.h. er fordert nicht die Unabhängigkeit, sondern nur eine echte Autonomie Tibets innerhalb des chinesischen Staatsverbands. Doch die Verhandlungen mit der chinesischen Regierung bleiben erfolglos. Im März 2008 kommt es erneut zu heftigen Protesten in Tibet, die brutal niedergeschlagen werden und über 200 Menschen das Leben kosten, darunter viele Mönche und Nonnen.
Quelle: externer Link Tibet Initiative Deutschland e.V.

Buddhismus in Tibet

Tibet ist das Zentrum des Vajrayana, einer Strömung des Mahayana-Buddhismus, die neben den buddhistischen Traditionen des tibetischen Kulturraums auch den Buddhismus in der Mongolei prägte. Nach der ursprünglichen vorbuddhistischen Religion Bön, hatte sich der Buddhismus in Tibet ab dem 8. Jahrhundert, später dem 11. Jahrhundert, in den vier großen buddhistischen Schulen Nyingma, Kagyü, Sakya und Gelug entwickelt.
Der bekannteste Lama (Guru) des tibetischen Buddhismus ist der 14. Dalai Lama, Tendzin Gyatsho, ein bedeutender Linienhalter der Gelug-Schule, der von der tibetischen Exilregierung als Staatsoberhaupt anerkannt wird. Im indischen Exil lebend, hat er neben seiner moralischen Autorität, für die westliche Welt den Status eines Friedensbotschafters und erhielt für seine Bemühungen, mit friedlichen Mitteln auf die Lage in Tibet aufmerksam zu machen, 1989 den Friedensnobelpreis.

 

Kulturelles Erbe

Stätte des UNESCO-Welterbes (Kulturdenkmäler)

"Historisches Ensemble Potala-Palast in Lhasa": Potala-Palast, Sommer-Palast Norbulingka, Jokhang-Tempel.
Der Potala-Palast, Winterpalast des Dalai Lamas seit dem 7. Jahrhundert, symbolisiert den tibetischen Buddhismus und seine zentrale Rolle in der früheren tibetischen Regierung.

 

Potala-Palast, Lhasa

Potala-Palast in Lhasa | Foto: Ondřej Žváček
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Gebäude des Potala

Gebäude des Potala in Lhasa | Foto: Kelberul
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